Mikrolandschaften
Studien zu einer dynamisierten Kultur der Landschaft
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Das interdisziplinäre Forschungsprojekt Mikrolandschaften fragt nach Konstitution und Rezeption heutiger mitteleuropäischer Landschaft unter einer mediatisierten und globalisierten Perspektive: Welche Formen der Bewegung praktizieren wir heute in unserer Gesellschaft und welche Mikrolandschaften entstehen in diesem Zusammenhang? Was für ein Verständnis von Landschaft wiederum ist tragfähig, um Phänomene veränderter Raum-Zeit-Relationen zu erfassen?

Mikrolandschaften

Die zeitgenössische Ausdrucksform der Landschaft verstehen wir als eine Agglomeration vernetzter Terrains, die wir als Mikrolandschaften bezeichnen: Fußballstadien, Freizeitparks und Flughäfen genauso wie Autobahnen, Militärgebiete und ICE-Trassen. Mit einem überkommenen Begriff von „Landschaft” und deren „Schönheit” verbindet sie nur noch wenig. Vergleichbar sind diese auf den ersten Blick sehr heterogen anmutenden Landschaften dadurch, dass sie in Bewegung erfahren und konstituiert werden, differenziert durch eine spezifische Relation von Raum und Zeit, Nähe und Ferne, Bewegung und Verweilen, Geschwindigkeit und Stillstand. Wo Landschaft ist, ist immer auch der Mensch, der diese Landschaft definiert, sei es durch ein „beiläufiges Bemerken” (Benjamin), durch ein aktives Eingreifen oder durch das wissenschaftliche Interesse zur beobachtenden Analyse.

Kulturen der Landschaft

Die Kategorie der „Differenz“ - angelehnt an poststrukturalistische Diskurse - schließt Dichotomien wie „Stadt versus Land“ oder „Hochkultur versus Populärkultur“ aus. So versteht die zeitgenössische Kulturtheorie (z.B. Bhabha, Bronfen, Terkessidis) Kultur als ein uneinheitliches, hybrides und temporäres Konzept, das nicht länger nationen- oder gar ortsgebunden ist. Es bezieht sich auf soziale Gruppen und ihr differenziertes Gestaltungspotential. Im Nebeneinander heterogener Mikrolandschaften werden differente kulturelle und ästhetische Praktiken, Paradigmen und Übereinkünfte bestimmter Gruppen unserer Gesellschaft repräsentiert. Entsprechend ersetzen wir den - Einheitlichkeit implizierenden – Begriff der Landschaftskultur durch differente und temporäre „Kulturen der Landschaft“.

Landschaftskritik

Die Frage nach dem Beitrag der neuen Kulturkonzepte zu einem zeitgemäßen Verständnis von Landschaft wird innerhalb der interdisziplinär angelegten „Cultural Landscape Studies“ diskutiert, die seit den 1950er Jahren in den USA entwickelt wurden. Dort wird versucht, aus landschaftsarchitektonischer und kulturwissenschaftlicher Perspektive einen umfassenden Begriff von Landschaft zu etablieren. In der von uns herausgegebenen Anthologie Landschaftstheorie stellen wir diese Ansätze erstmals im deutschsprachigen Raum vor und erörtern Anknüpfungspunkte an aktuelle Entwicklungen der Landschaftsrezeption und –gestaltung in Europa. Zu beobachten ist eine neue Relevanz von Landschaft als gesellschaftlicher Kategorie. Möglichkeiten einer zeitgenössischen Landschaftskritik (download PDF) im europäischen Kontext formulieren die Statements unseres transdisziplinären Expertenworkshops.

Dynamisierte Konzepte

Das Projekt Mikrolandschaften unterzieht die Vielfalt jüngerer Bewegungs- und damit einhergehender Raumtheorien einer kritischen Revision und korreliert zeitgenössische Bewegungsformen mit einer Aneignungs- und Wahrnehmungsanalyse von Mikrolandschaften. Die Verknüpfung dynamisierter Landschaftskonzepte aus Architektur und Landschaftsarchitektur, aus Geografie, Film, Bildender Kunst, Theater- und Kulturwissenschaften in unserem Symposiumsband Mikrolandschaften – Landscape Culture on the Move unterstreicht die These von der Bedeutung menschlicher Bewegung als Landschaftsgenerator: Mikrolandschaften und ihre visuellen Repräsentationen formieren sich unter dynamisierten Bedingungen mit differenten Bewegungs- und Handlungsformen immer wieder neu.

Enzyklopädie von Mikrolandschaften

Unsere Studien zu einer dynamisierten Kultur der Landschaft erweitern wir kontinuierlich um Analysen alltäglicher und gestalteter Landschaften und deren Repräsentationen in Kunst und Film - Bausteine zu einer Enzyklopädie von Mikrolandschaften innerhalb einer transdisziplinären „Theorie dynamisierter Mikrolandschaften“.